Wer kann von Gewalt betroffen sein?

Gewalt kann jeden treffen!

Egal welche Bildung, Religion oder welches Einkommen ein Mensch hat und aus welchem Kulturkreis er stammt. Frauen, Kinder und Männer in jedem Alter können Gewalt erleben. Gewalt kann überall vorkommen, auf der Straße, in den eigenen vier Wänden, in Schulen oder an Arbeitsplätzen. Immer ist Gewalt ein Versuch von Menschen, Macht über andere zu erzwingen oder Abhängigkeit auszunutzen.

Erwachsene Männer erfahren Gewalt oft durch andere Männer im öffentlichen Raum, oft durch Fremde oder flüchtig Bekannte. Erwachsene Frauen erleiden Gewalt oft durch den Partner in der eigenen Wohnung. Kinder oder Pflegebedürftige können sich gegen Gewalt durch Angehörige, Erzieher oder Pflegende nicht wehren.

Manche Menschen, die Gewalt erleben, sprechen nicht darüber. Sie haben Angst vor weiterer Gewalt oder schämen sich für das, was ihnen passiert ist. Manche wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen oder denken, dass ihnen niemand helfen kann. Einige haben das Gefühl, selbst für die Gewalt verantwortlich zu sein. Aber wer Gewalt erfährt, den trifft keine Schuld. Die Verantwortung hat die Person, die Gewalt ausübt.

Wenn Freunde, Bekannte oder die Familie von Gewalt erfahren, kann es vorkommen, dass sie die Betroffenen nicht ernst nehmen und ihnen nicht glauben. Es ist ihnen unangenehm, über Gewalt nachzudenken. Sie mögen sich nicht vorstellen, dass ein Mensch, den sie kennen, gewalttätig ist. Sie geben vielleicht dem Opfer die Schuld. Manche Menschen wollen sich nicht in fremde Angelegenheiten einmischen. Andere wissen nicht, wie sie helfen können. Aber Gewalt ist keine Privatsache.

Welche Gewalt gibt es?

Gewalt ist nicht gleich Gewalt!

Gewalt kann von einzelnen Menschen oder von Gruppen ausgehen. Sie kann auch von einer Person gegen sich selbst gerichtet sein. Gewalt geht von Fremden oder flüchtig bekannten Menschen aus, oft aber auch von Partnern, Familienangehörigen oder guten Bekannten.

Gewalt kann in unterschiedlichen Formen auftreten. Es gibt körperliche, seelische oder sexualisierte Gewalt und Vernachlässigung. Gewalt kann auch sein, jemanden in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken, Kontakte zu anderen Menschen zu unterbinden oder ihm die finanzielle Grundlage zu entziehen. Die Weltgesundheitsorganisation hat übersichtlich dargestellt, wie Gewalt charakterisiert werden kann.

Wie erkennt man Gewalt?

Gewalt hat Folgen!

Unabhängig davon, ob die Gewalt gerade erst geschehen ist oder längere Zeit zurückliegt – Gewalt kann die Gesundheit leicht, schwer oder dauerhaft beeinträchtigen. Manche gesundheitlichen Folgen sind gut sichtbar, andere kaum. Viele körperliche Verletzungen verheilen schnell, psychische Folgen können auch nach Jahren spürbar sein. Um Gewalt später noch beweisen zu können, ist es wichtig, Spuren am Körper unmittelbar, möglichst innerhalb von 48 Stunden nach Gewaltgeschehen, dokumentieren zu lassen.

Körperlich muten manche sichtbaren Folgen eher harmlos an, auch wenn die Gewalt potentiell lebensbedrohlich war. Um das Ausmaß an Gewalt einschätzen zu können, ist es wichtig, auch das zu dokumentieren, was nicht behandelt werden muss; für die Gerichtsverwertbarkeit auch das, was nicht zu sehen ist.

Welche Gesetze helfen?

Gewalt in jeder Form greift gravierend in die Persönlichkeitsrechte eines Menschen ein, sein Selbst- und Sicherheitsgefühl wird beeinträchtigt. Strafrecht, Zivilrecht und Sozialrecht dienen der Verurteilung einer tatverdächtigen Person, wenn genügend Beweise vorliegen, aber auch dem Schutz und der Entschädigung der Opfer.

Durch das Strafrecht wird das Ziel verfolgt, Gewaltbetroffene vor weiteren Taten zu schützen, indem der Täter für sein Handeln zu Rechenschaft gezogen wird, sobald ihm die Tat zum Beispiel anhand einer Dokumentation der Gewaltfolgen nachgewiesen werden kann.

Das Gewaltschutzgesetz bietet Schutz bei häuslicher Gewalt sowie bei ständigen Belästigungen und Nachstellungen („stalking“).

Das Opferentschädigungsgesetz (OEG) dient dazu, Menschen finanziell zu entschädigen, die Gewalt erlebt und dadurch eine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitten haben.